Vor der Saison wurden
wir von Rasenschach
nicht zu unserer Meinung gefragt, sondern auch auf unseren seherischen
Fähigkeiten getestet.
Nun, nach der Saison wurden wir nun wieder gefragt. Eine
schöne Methode des Bloßstellens, die viel zu selten angewandt
wird. Doch wir scheuten das nicht und freuten uns sogar auf das, was dabei
rauskam, denn es zeigt eindeutig, dass wir nicht nur Fans, sondern auch
Experten sind, denn alles, was wir prognostiziert haben, ging, man kennt
das von den Wahlforschern vor der Wahl, Wirtschaftsweisen et al., ziemlich
gründlich daneben.
Aber natürlich sprach man in dem Nach-Saison-Interview
freundlicherweise nicht davon, sondern lenkte ab:
"Im
Trainerstab ist einiges schief gelaufen."
Vor der Saison warst du sehr optimistisch. Doch das
Auftreten von Hoffenheim dürfte zu den größten Enttäuschungen
des Jahres zählen. Wie ist es dazu gekommen?
Nun, sooo schlecht war es gar nicht. Es war auch nicht selten Pech dabei.
Ansonsten ist es wohl am ehesten mit der Rückehr der Wirklichkeit
zu erklären. 1899 wird immer noch an der 1. Hinrunde gemessen, weil
sie in der Tat sensationell war. Aber sie war eine Ausnahme. Die folgende
Rückrunde und diese Saison gaben sich herzlich wenig, wobei allerdings
erschwerend hinzukam, dass der Mannschaft der Kitt fehlt. Es war der Erfolg.
Doch als der lange ausblieb, gab es keinen, der die anderen motivieren
und aufrichten konnte. Da ist unseres Erachtens einiges im Trainerstab
falsch gelaufen – und man ist ja nun sehr am Ausmist….äh…
am Korrigieren.
Muss man sich in der neuen Saison eher wieder nach
unten orientieren?
Nein, 11 ist schon unten. OK, es könnte auch 12 oder 13 werden, aber
das glaube ich nicht. 7-11 ist nicht unrealistisch, zumal man, wie zumindest
die letzten beiden Spielzeiten gezeigt haben, vor allem eine Mannschaft
braucht, die eine konstante Runde spielen kann. Dann bleibt man auch oben.
Dieses Jahr war es Leverkusen in der Hin-, Stuttgart in der Rückrunde,
am Ende aber spielt keiner der beiden Mannschaften in der Champions League.
Ich kann mir vorstellen, dass einige durch den Erfolg verblendet wurden
und nun ihren Augen nicht getraut haben.
Welche Grundstimmung herrscht nun unter den Fans?
Nun, das ist schwierig. Sie sind ja ebenso unerfahren wie die Mannschaft.
Und auch da gibt es natürlich Momente, da will man es nicht recht
wahrhaben. Wenn z. B. bei uns skandiert wird “Scheiß Millionäre”,
dann ist das schon spaßig, weil man sich ja fragen muss, ob sie
das aus Hartz IV-Sicht sehen oder als Vorwurf, dass es sich eben nur um
Millionäre handelt – und keine Milliardäre. Im Ernst,
man muss doch einfach zugeben, dass wir, wie andere Mannschaften auch,
sich eine erste 11 zusammengekauft haben. Und das war natürlich mit
viel Geld zu machen (das Nachtleben im Kraichgau/Rhein-Neckar-Kreis hat
noch nicht den Reiz für Außenstehende). Dann auf einen solchen
Chant zu setzen, ist zumindest nicht die allerbeste Wahl.
Was ist deine schönste Erinnerung an die Fußballsaison
2009/2010?
Der Last Minute-Sieg in Gladbach war schon großartig –
wieder nach einem 0:2 zurückgekommen, wieder 4:2 gewonnen. Ein kleines
Bökelberg-Barcelona99 für 1899.
Was ist deine negativste Erinnerung an die Fußballsaison 2009/2010?
Das Spiel gegen Köln. Das war schon armselig und grenzte an
Arbeitsverweigerung. Seltsamerweise wurde es danach besser, was wohl weniger
mit der vielbeschworenen Ehre der Spieler zu tun hatte, sondern damit,
dass Herr Hopp zum Gespräch einlud. Das war schlimm, dass man selbst
für so etwas Einfaches offensichtlich die Hilfe eines inzwischen
70jährigen Mannes braucht. Da scheint nicht nur den Spieler etwas
an Reife zu fehlen …
Welche/r Spieler hat/haben dich am Meisten positiv überrascht
bzw. enttäuscht?
Das ist wirklich nicht leicht zu beantworten – zumindest nicht die
positive Überraschung. Per se waren wir von Gulde nicht wenig angetan.
Der wird. Negative Überraschungen waren Eduardo, der sich einfach
hat gehen lassen oder sich schlicht geweigert hat, seine Qualitäten
einzusetzen. Das war sehr seltsam und wenig erklärlich, wieso weshalb
warum. Und Salihovic muss hier natürlich auch genannt werden, der
sich wirklich konstant geweigert hat, einen gefährlichen Freistoß
zu schießen, dies aber immer derart zelebrierte, dass man hätte
meinen können, er habe es Beckham gelehrt. Das war ganz furchtbar.
Er vertändelte viele Bälle, bekam viele, meist unsinnige Gelbe
Karten, spielte dann aber immer wieder mal den Pass für eine Torchance.
Deshalb keine wahre Enttäuschung. Den Platz nimmt Compper ein. Ein
Ex-Nationalspieler, der spielen will, obwohl er es zur Zeit nicht kann.
Wollen tut er bestimmt, aber er ist hoffnungslos überfordert. Und
Rangnick tut ihm und der Mannschaft keinen Gefallen, wenn er an ihm weiterhin
grundlos festhält.
So weit.
Weil aber der Akademiker an sich der Wahrheit verpflichtet
zumindest sein sollte, hier nochmal die schönsten Sätze aus
dem Vor-Saison-Interview:
Diese Saison wird es mindestens international. Das Team
ist zusammengeblieben und die anderen Mannschaften haben sich nicht so
gut verstärkt, und bereits letztes Jahr hätten wir alle schlagen
können.
Simunic ist großartig. Mit dem alternden Nilsson
und dem teilweise unsicheren Compper kommt der für die Innenverteidigung
genau richtig.
Da war dann auch der Psychologe völlig nutzlos.
Naja, bis aufs Sportliche lagen wir so daneben ja doch nicht.
Und dafür sind wir ja nicht verantwortlich :-)
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