Der soeben gelesene
Spielkommentar, der wie stets rasant formuliert, ist dieses Mal aber aus
verständlicher Enttäuschung heraus ganz und gar falsch.
Es ist das erste Mal, dass man hier die Unseren trasht und
basht. In der Unentschiedenserie nach der Leverkusen-Heimpleite waren
die Kommentare hingegen noch von nachgerade sokratischer Weisheit.
Jetzt aber wird richtig draufgehalten - und zeigt doch nur, dass erfolgsverwöhnte
Jung-Fans eines noch überhaupt nicht kennen und können: Gedankenvoll
und klug mit einer schlechten Phase umzugehen. Wer Jahrzehnte lang Fan
von 60 München war, für einige Zeit ziellos umhertrieb, um dann
in Hoffenheim zu landen, weiß, was es heißt, richtig, also
antimasochististisch, deshalb mit klarem Bewusstsein zu leiden.
Unser gegenwärtiges Problem ist so einfach und banal wie schwerwiegend:
Es heißt Ibisevic, also das Fehlen des Vedad.
Ergo kaum noch Tore, ergo Unentschieden oder Niederlagen. Sanogo war schon
bei Kaiserslautern, dann beim HSV und bei Werder zunächst ein Blender
(in den ersten Spielen stets ein Tor) und danach ein Versager und Bankdrücker.
Wellington ist noch nicht ganz soweit, um richtig gut zu ein. Demba Ba
und Obasi können es weder allein noch gemeinsam richten.
Die mangelnde Torausbeute und die schrecklichen Standards sind unsere
zentralen Probleme.
Das Bochum-Spiel habe ich weder im sonnigen Stadion noch auf Premiere,
sondern nur in der Zusammenfassung der Sportschau gesehen. Klar war auch
aufgrund dieser wenigen Minuten: Machen wir das erste Tor, was, entgegen
der Negativ-Diagnose, durchaus möglich gewesen wäre, wird das
ein ganz anderes Spiel. Wir machen das Tor nicht, haben dafür Haas,
der in Frankfurt immerhin das Unentschieden rettete, als Torwart und Eduardo
als Frust-Hektiker im Mittelfeld. Und das wars dann auch.
Im Übrigen finde ich es für die weitere Entwicklung der Mannschaft
sehr gut, wenn wir in der kommenden Saison (noch) nicht international
spielen. Der UEFA-Cup, den ich schätze (allerdings erst vom Viertelfinale
an), ist in den ersten Runden bloß strapazierend und unattraktiv
- und für die Champions League reicht es dieses Mal gottlob ohnehin
noch nicht.
Also die Saison in Ruhe zu Ende spielen, noch zwei oder drei Siege einfahren
- und mit 50 Punkten (plus x) dankbar in die Sommerpause gehen. Rangnick
muss nochmals Hopps Kasse bemühen und für 09/10 passabel hinzukaufen.
Dann greifen wir national zweifach an: im DFB-Pokal und in der Meisterschaft.
Der klügste Kommentar zum gestrigen Spiel stammt übrigens von
Marcel Koller, nachzulesen auf FAZ.NET. "da konnten wir das Spiel
aus einer Igel-Situation heraus gestalten", sagte der VfL-Trainer
in der Analyse. Wie wahr. Wir haben im Moment zuviele Hasen, aber leider
keinen (Tor)Jäger.
Das ist das ganze Elend.
Und nun: Kopf hoch für Karlsruhe.
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Weitere Meinungen und Sichtweisen:
1899 Hoffenheim VfL
Bochum bundesliga.de
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