1. Bundesliga Erste Hälfte für van
Gaal eine Qual, Beim hinreißenden 1 : 1 dominierte die TSG 1899 vor, der FC Bayern nach der Pause |
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Spiel 1: Daheim vs. München (Rück)
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30 Jahre auf der Bank. Da hält „Mister FC Bayern“ den Platz auf der Tribüne natürlich für „gewöhnungsbedürftig“. Doch Uli unterm Dach ist weit davon entfernt, auf dem Weg zum Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG zum Diplomaten zu mutieren. Seine Meinung zum Spiel: „Wir hätten den Sieg verdient gehabt. In der zweiten Halbzeit war unsere Überlegenheit eklatant. Die Hoffenheimer hatten ja nur noch Krämpfe.“ Dabei hat der langjäh-rige Abteilungsleiter Attacke offenbar „vergessen“, wie Trainer Louis van Gaal sich für das Ge-burtstagsgeschenk von Schiedsrichter Babak Rafati bedankte: „Das Spiel läuft ganz anders, wenn das Tor zählt und Hoffenheim in Führung geht.“ Torkamera hin, Videobeweis her: Der Schiedsrichter
und/oder sein Assistent hätten in der 10. Minute sehen müssen,
dass der Kopfball von Hoffenheims neuem Verteidigungsminister Josip Simunic
nach einem drallen Freistoß von TSG-Kapitän Sejad Salihovic
vom Innenpfosten gut einen halben Meter hinter die Linie prallte. Vielleicht
hätte sich dann für den zunächst blassen Rekordmeister
der Titel des bayerischen Spielfilms bestätigt: „Wer früher
stirbt, ist länger tot.“ Die zu diesem Zeitpunkt überraschende Bayern-Führung – u. a. nach dem gefährlichen Premie-re-Kopfball von Vedad Ibisevic in der Rhein-Neckar-Arena - konnte nicht darüber hinweg täu-schen, dass das neue System von Bayern-Coach Louis van Gaal noch nicht in den Köpfen seiner Spieler verankert ist. Was Ersatzkapitän Philipp Lahm stellvertretend für den Trainer im ZDF-Sportstudio über das 4-4-2-System mit der Raute erklärte, funktionierte im ersten Durchgang überhaupt nicht. Die Gaal’schen Dreiecke, die der holländische Meistercoach sich ausgedacht hatte, wirkten alles andere als magisch, agierten mehr ohne als miteinander. Ganz anders die jüngste Mannschaft der Bundesliga. Sie nährt die Hoffnung, dass die Hoffen-heim neben den modischsten Trikots auch den schönsten Fußball in der Bundesliga zeigen kann. Die Abwehr vermittelte, angeführt von dem mit buddhistischer Ruhe agierenden Josip Simunic vor einem souveränen Torwächter Timo Hildebrand, einen wesentlich stabileren Eindruck als in der vergangenen Runde. Im Mittelfeld überragt das Lauf-, Dribbel- und Regiewunder Carlos Eduardo als begnadeter Zehner. Und im Angriff sind Vedad Inisevic und Chinedu Obasi auf dem Weg zur einstigen Mannheimer Meisterklasse. Im Gegensatz zu den Bayern, die es mit Sicherheitspässen und langen Bällen auf Mario Gomez versuchten, zog die TSG ihr inspiriertes Hochfrequenz-Rasenschachspiel auf. Und wurde noch vor der Halbzeit für ihren Hightech-Fußball mit dem Ausgleich belohnt. 41. Minute: Fast an der eigenen Eckfahne erobert Carlos Eduardo sich den Ball und bedient den auf der rechten Außen-bahn durchgestarteten Tobias Weis. Der kleine Mittelfeld-Porsche flankt haarscharf über die – mit Daniel van Buyten und Holger Badstuber hoch gebaute - FCB-Abwehr. Dort stoppt Vedad Ibisevic, dessen Comeback mit Liebesgesängen gefeiert wurde, den Ball cool wie eine Hunde-schnauze in den vollen Lauf von Chinedu Obasi. Der Nigerianer, der die wunderbare Leichfüßig-keit des Jahres 2008 wieder gewonnen hat, vollstreckt unhaltbar für den machtlosen Bayern-Keeper Michael Rensing ins rechte Eck. Auch nach der Pause bedient die Begegnung
die Sehnsüchte der 30.150 Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena und
der vielen Millionen an den Bildschirmen in 170 Ländern nach der
Kunst des Unberechenbaren im Fußball. Und erneut hätte eine
Fehlentscheidung des schwachen FIFA-Schiedsrichters Babak Rafati dem Gastgeber
fast Unglück gebracht. Die Bayern gewinnen nun immer mehr die Kontrolle über das nun vor allem von der Spannung zehrende Spielgeschehen. Davon profitiert auch der bis dahin vernachlässigte Mario Gomez. Aber der 30-Millionenmann der vergibt einmal mit Pech (64., Außenpfosten) und einmal mit Unvermögen (81., Rohrkrepierer Richtung Nordtribüne). Die Rhein-Neckar-Arena war an diesem denkwürdigen Fußballabend kein Gomezuela für den designierten FCB-Leuchtturm im Angriff. Es spricht für den Ex-Stuttgarter, dass
er mit seiner Leistung unzufrieden war und dies auch offen eingstand:
Was Gomez nicht sagte, aber vielleicht denkt: Ohne Frank Ribèrys
geniale Zuspiele hänge ich total in der Luft. In der Tat: Nur mit
Controller-Fußball – ohne den durchaus narzisstischen Esprit
des kleinen Franzosen - kann der FC Bayern nicht Deutscher Meiszer wer-den
– und schon gar nicht im Alleingang an der Zugspitze der Bundesliga. Was die TSG 1899 Hoffenheim vor allem in der ersten Halbzeit gegen den Topfavoriten ablieferte, war wie eine Verheißung. Man darf sehr gespannt sein, ob aus dieser viel versprechenden Ouvertüre auch eine vielversprechende Saison wird. Joseph Weisbrod --- |
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