1. Bundesliga
21. - 23. August 2008

Hoffenheims Unvollendete

Der Fußballsinfonie 1899 fehlte beim 0 : 0 gegen Schalke 04 nur der Paukenschlag

Spiel 1: Daheim vs. München (Rück)
Spiel 2: Auswärts vs. Leverkusen (Rück)
Spiel 3: Daheim vs. Schalke (Rück)
Spiel 4: Auswärts vs. Hannover (Rück)
Spiel 5: Daheim vs. Bochum (Rück)
Spiel 6: Auswärts vs. M'gladbach (Rück) Spiel 7: Daheim vs. Berlin (Rück)
Spiel 8: Auswärts vs. Mainz (Rück)
Spiel 9: Auswärts vs. Bremen (Rück)
Spiel 10: Daheim vs. Nürnberg (Rück)
Spiel 11: Auswärts vs. Freiburg (Rück)
Spiel 12: Daheim vs. Wolfsburg (Rück)
Spiel 13: Auswärts vs. Köln (Rück)
Spiel 14: Daheim vs. Dortmund (Rück)
Spiel 15: Auswärts vs. Hamburg (Rück)
Spiel 16: Daheim vs. Frankfurt (Rück)
Spiel 17: Auswärts vs. Stuttgart (Rück)

 

Saison ??2008/2009 (1. Liga)
Saison 2007/2008 (2. Liga)

Fußball ist wie das Leben. John F. Kennedy: „Das Leben ist ungerecht, aber denke daran: nicht immer zu deinen Ungunsten!“. Die motorisierten Hoffenheimer Fans haben spätestens im vormitternächtlichen Staugau nach dem kurzweiligen Abendspiel reichlich Zeit, um über eine Schlüsselszene zu debattieren. Ist die TSG 1899 erneut eines Tores beraubt worden? Schiedsrichter Michael Weiner hatte in einer Strafraum-Grenzsituation nach einem Foul an Vedad Ibisevic „nur“ auf Freistoß entschieden.

Die Schalker Anhänger hingegen nehmen das Verkehrskoma neben der prächtig erleuchteten Rhein-Neckar-Arena gelassen. Ihre Königsblauen haben schließlich mit viel Bayerndusel das von Felix „der Glückliche“ Magath erhoffte „Pünktchen“ ergattert. Hoffenheim hingegen trumpfte prächtig auf, scheiterte aber entweder an der eigenen Unpräzision oder an Schalkes Traumhüter Manuel Neuer.

Yam! Hoffenheim legt nach kurzem Vorglühen ein Raketentempo vor, als hätten die Spieler die Bolt-Wurzel aus der Karibik auf dem Ernährungsplan gehabt. Schon in der vierten Minute passt Chinedu Obasi vom rechten Flügel scharf in den Strafraum. Bald-Wieder-Torjäger Vedad Ibisevic zieht ansatzlos ab. Schalkes Manuel Neuer lenkt reflexartig ab. Hoffenheim tut das, was man eigentlich vom Kultclub mit dem russischen Sponsor-Logo auf der Brust erwarten sollte: Gas geben ohne Ende (außer im Winter in die Ukraine).

Sehr beweglich, sehr variabel, sehr raumgreifend bereiten hingegen die Rangnick-Schüler ihre Angriffe vor. Mal über rechts mit dem Blonddoppel Andreas (Ibertsberger & vor allem Beck), mal über links mit dem Dreieck Christian Eichner, Sejad Salihovic und Chinedu Obasi, mal durch die Mitte mit dem an diesem Abend aber nicht so wirkungsvollen Zehner Carlos Eduardo.

16. Minute: Capitano Salihovic, dem noch die letztjährige Flanken- und Standardstärke abgeht, taucht nach einer knusprigen Hackenvorlage von Vedad Ibisevic frei vor Manuel Neuer auf, passt aber am 04-Zerberus vorbei in den von drei Schalkern besetzten Torraum, anstatt selbst ins Netzwerk zu ballern. In der 21. Minute scheint sich der Torklau vom Bayernspiel zu wiederholen. Vedad Ibisevic wird von Magath-Entdeckung Carlos Zambrano an der Sechzehnerlinie (die zum Strafraum gehört) gelegt. Doch Schiedsrichter Michael Weiner entscheidet auf Freistoß.

Wäre Hoffenheim hier in Führung gegangen, hätte Schalke seinen passiven Widerstand aufgeben und selbst initiativ werden müssen. So aber verlässt sich der Noch-Tabellenführer auf seine weiße Wand im Hinterland. Und da stehen im Zentrum mit Marcelo José Bordon ein brasilianischer Mammutbaum und mit U 21-Europameister Benedikt Höwedes eine junge deutsche Eiche, davor trefflich unterstützt durch den abgezockten Neuzugang Mineiro auf der Sechserposition. Dagegen helfen nur Spielintelligenz und Effizienz. Und da hat Chinedu Obasi bei allem Zauber-Aktionsradius mit seinen Hacken & Haken noch Optimierungsbedarf.

Fünf Minuten vor der Pause der zweite torverdächtige Auftritt von Vedad Ibisevic. Eine famose Rechtsflanke des antriebsstarken Andreas Beck verlängert der immer mehr in Form kommende Bosnier geschickt mit dem Kopf. Doch Vedo hat zwar seinen Torriecher wieder gefunden, aber seine Laserkanone noch nicht justiert. Und so köpft der Headhunter knapp am linken Pfosten vorbei (41.). Schalke demonstriert zwar seine enorme physische Präsenz und taktische Diszpilin. Doch die kreative Schaffenskraft bleibt an diesem Freitag abend in Magaths markantem Schachkopf stecken. Im Angriff müht sich Alleinikow Kevin Kuranyi , unterstützt von der hängenden Spitze Farfan, redlich. Doch mehr als ein Schüsschen auf das Tor des ungeprüften Timo Hildebrand bringen die beiden stumpfen Spitzen während der gesamten Spielzeit nicht zustande.

1899-Trainer Ralf Rangnick erkennt, dass seine Mannschaft das Spiel aufgrund seiner drücken-den Überlegenheit eigentlich gewinnen muss. Und so bringt er für den defensiven Isaac Vorsah nach der Pause – sehr zur Freude nicht nur des Fanclubs „Demba-Bären“ - den doch nicht verlorenen Sohn Demba Ba. Zum ersten Mal Anno 2009 stehen damit die drei großen Tenöre der Mannheimer Festspiele wieder gemeinsam auf der Bühne. Yam! Ba’s Raketenantritt, Ibisevics Spielintelligenz und Chinedu Obasis Wundertüte: Schon gegen Schalke sind erste Skizzen des rasanten Hoffenheimer Kreisels zu sehen. Aber noch heißt es frei nach Wolfgang von Goethe: „Hier steh ich nun, frei vor dem Tor. Und bin so klug als wie zuvor."

So nach einer One-touch-Kombination des Wirbel-Dreiers, die ein schwacher Ibisevic-Schuss aber harmlos beendet (70.). Zuvor schon hatte der defensiv überzeugende Marvin Compper nach einer perfekten Grundlinien-Flanke von Christian Eichner alle Zeit, den Ball ins Tor zu köpfen, versagt aber als Autor des vielfach verdienten Siegtores. Immerhin trifft der Ex-Karlsruher Flügelflitzer, der sich im linken Vorwärtsgang noch zu wenig zutraut, den Nagel analytisch auf den Kopf: „Uns hat heute das goldene Tor gefehlt, um aus einem guten Spiel ein perfektes zu machen.“

Dass Felix Magaths Spagat, mit vergleichsweise wenig Geld einen Titel-Coup landen zu wollen, gelingen wird, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Das Urteil des Schalker Großinquisitors zum Spiel ist jedenfalls deutlich: „Es war ein schlechtes Spiel von uns gegen eine sehr gute Hoffenheimer Mannschaft. Es war daher ein glückliches Unentschieden, das wir vor allem Manuel Neuer zu verdanken haben.“

Das Schlusswort gebührt Ralf Rangnick: „Es war über weite Strecken ein richtig gutes Spiel von uns Ich habe ein Problem mit der Anzahl der geschossenen Tore. Es gilt jetzt, auf unserer Lei-ustung aufzubauen. Dann wird auch der erste Dreier nicht mehr lange auf sich warten lassen.“ Vielleicht ja schon am kommenden Samstag in Hannover, spätestens aber beim nächsten Auf-tritt in der Rhein-Neckar-Arena am 12. September gegen den VfL Bochum.

Dann hoffentlich endlich mit einer – nicht nur in den Medien propagierten – sondern ganz realen Verbesserung der komatösen Verkehrssituation nach den Spielen. Wie heißt es auf dem blauen Parkschein der Stadtwerke Sinsheim? „Der Parkplatz darf nur im Schritttempo befahren werden.“ Die meisten Autofahrer wären froh, wenn sie sich im Schritttempo bewegen dürften. Dann würden sie die stattliche Parkgebühr von fünf Euro wohl auch ohne Zähneknirschen berappen.

Joseph Weisbrod

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